21. Oktober 2018, 16:30 Uhr, Kunsthaus Zofingen

Archaische Wucht trifft auf Realsatire

Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen «Der General»« genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine grosse ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.

Nino Haratischwili spürt in ihrem neuen Roman den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. «Die Katze und der General» ist ein spannungsgeladener, psychologisch tiefenscharfer Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Wie in einem Zauberwürfel drehen sich die Schicksale der Figuren ineinander, um eine verborgene Achse aus Liebe und Schuld. Sie alle sind Teil eines tödlichen Spiels, in dem sie mit der Wucht einer klassischen Tragödie aufeinanderprallen.

Lasha Bugadze gelingt mit «Der erste Russe» ein humorvolles Lehrstück zu religiösem Fundamentalismus, reaktionärem Nationalismus, Medienmacht und Meinungsfreiheit. Der soeben auf Deutsch erschienene Roman stellt einen jungen Autor ins Zentrum, der wegen seiner satirischen Erzählung über die legendäre Königin Tamar aus dem 13. Jahrhundert mit der Kirche und bald mit seinem ganzen Umfeld in Konflikt gerät.

Lasha Bugadze liest auch am Samstag um13.30 Uhr im Kunsthaus. Das Buch ist unter dieser Lesung «Tabubrüche» eingehender beschrieben. Die Moderatorin wird sein Schaffen in Beziehung setzen zum Schaffen von Nino Haratischwili. Entsprechend wird auch der Fokus des Gesprächs ein anderer sein.

Nino Haratischwili
Lasha Bugadze
Christine Lötscher