20. Oktober 2018, 12:00 Uhr, Kunsthaus Zofingen

Intertext, Paratext und feministische Perspektiven

Ein spektakulärer Selbstmord – und sei es auch ein Sturz vom Burj Khalifa – garantiert noch keinen Kauferfolg. Dies muss Pierre Sonnage, ein erfolgloser Schriftsteller im Roman «Bestseller» erfahren, als er bereits in der Literatenhölle schmort. Von Dante bis Hemingway trifft er dort auf zahlreiche VIPS der Literaturgeschichte. Seine eigentliche Höllenqual besteht allerdings darin, dauernd aberwitzige, überkomplizierte Rätsel lösen zu müssen. So rächt es sich eben, wenn man seinen Lesern zeitlebens solche zugemutet hat. Der Autor Beka Adamaschwili stellt in seinem Roman zahlreiche Textverweise her, kommentiert seinen eigenen Schreibprozess in Fussnoten, ficht einen Kampf um Kunst und Kalkül aus und schafft damit ein höchst unterhaltsames Werk über das Schreiben an sich.

Helena, einer der Protaginistinnen von Salome Benidzes Erzählsammlung «Die Stadt auf dem Wasser»  ist für ihre wunderbaren Backwaren berühmt, doch sie träumt davon, ein Getränk aus ihrer Lieblingsfrucht zu erfinden, der Berberitze. Ihr Wunsch, ausgerechnet einen Drink aus diesen säuerlichen roten Beeren zu kreieren, statt sich auf ihr Gebäck zu konzentrieren, stößt auf Unverständnis, weil er als zutiefst unweiblich empfunden wird.

Ilaria, die immer nach Orangen duftet, wurde als Baby in einem Boot auf dem Meer ausgesetzt und von einem jungen Schwimmer gerettet. Doch in der Stadt am Wasser bleibt sie immer eine Fremde.

Die Erzählungen Salome Benidzes handeln von sieben ganz unterschiedlichen Frauen, von Liebe und Unabhängigkeit, Leidenschaft und Gewalt, Ängsten und Hoffnungen, Erinnern und Vergessen – und der Suche nach der eigenen Identität. Alltägliches und Märchenhaftes, Realistisches und Fantastisches verschwimmen, und nach und nach erschließt sich, dass die einzelnen Geschichten doch nicht so unabhängig voneinander sind, wie es zunächst den Anschein hat – nicht nur durch das Wasser, das sie alle verbindet.

Beka Adamaschwili
Salome Benidze